
Der CEO des Speicher‑Controller‑Herstellers Phison, Pan Jiancheng, zeichnet in einem aktuellen Interview ein deutlich pessimistisches Bild der globalen Speicherlage: Wer jetzt keine Lagerbestände aufbaut, laufe Gefahr, Marktanteile zu verlieren. Seine Warnung lautet in klaren Worten: „Wer jetzt keine Ware hat, überlebt nicht.“
Laut Jiancheng sind nicht nur klassische PC‑ und Server‑Märkte betroffen, sondern ganze Konsumelektronik‑Segmente: Smartphone‑ und TV‑Produktion könnten deutlich einbrechen, weil Bauteile fehlen. Er nennt eine mögliche Reduktion der Handyproduktion um 200–250 Millionen Geräte als denkbares Szenario. Das würde Lieferketten und Preise massiv beeinflussen.
Mehrere Faktoren verschärfen die Situation:
KI‑Hardware: Neue GPU‑Generationen, die stark auf Flash‑Speicher setzen, könnten einen erheblichen Anteil der weltweiten Flash‑Produktion beanspruchen; Jiancheng nennt Schätzungen, nach denen einzelne GPU‑Wellen bis zu 20 Prozent der Flash‑Kapazität benötigen könnten.
Kapazitätsgrenzen: Der Aufbau neuer Fertigungskapazitäten dauert Jahre und ist teuer; 3D‑NAND und HBM lassen sich physikalisch nur begrenzt schnell skalieren.
Hersteller‑Zurückhaltung: Große Anbieter wie Samsung, Micron und SK Hynix seien nach Verlustjahren vorsichtig mit massiven Investitionen, um nicht erneut Preise zu destabilisieren.
Jiancheng erwartet, dass die Knappheit mehrere Jahre anhalten könnte; interne Prognosen großer Hersteller würden Engpässe bis 2030 nicht ausschließen. Für Unternehmen bedeutet das: Lagerbestände aufbauen, Lieferketten diversifizieren und Vorauszahlungen einplanen. Für Endkunden ist mit höheren Preisen und längeren Lieferzeiten bei SSDs, HBM‑basierten KI‑Beschleunigern und anderen speicherintensiven Komponenten zu rechnen.
Phison selbst setzt auf technologische Ansätze wie aiDAPTIV+, um Flash‑Speicher effizienter zu nutzen und DRAM‑Lasten teilweise zu kompensieren. Solche Lösungen können kurzfristig helfen, lösen aber nicht das grundsätzliche Produktionsproblem.
Die Warnung des Phison‑CEOs ist ein Weckruf für Industrie und Händler: Wer jetzt nicht strategisch plant, riskiert Marktanteile und höhere Kosten. Für Konsumenten heißt das: Geduld bei Preissenkungen, und bei dringendem Bedarf frühzeitig bestellen. Ob sich die Lage tatsächlich bis 2030 hinzieht, hängt von Investitionsentscheidungen der großen Hersteller und dem Tempo beim Ausbau neuer Fertigungskapazitäten ab.