
Von unserer Redaktion
Der Patentkrieg im Bereich moderner Videotechnologien geht in die nächste Runde – und erneut ist es Nokia, das vor Gericht triumphiert. Vor dem Landgericht München hat der finnische Konzern einen weiteren Sieg errungen, diesmal gegen Asus, Acer und Hisense. Was auf den ersten Blick wie ein weiterer Eintrag in einer langen Liste von Patentstreitigkeiten wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein Urteil mit weitreichenden Folgen für die gesamte Elektronikbranche.
Der Kern des Konflikts: Patent EP2661892
Im Mittelpunkt steht das europäische Patent EP2661892, das zentrale Verfahren zur Verarbeitung des Videocodecs H.265/HEVC beschreibt. Dieser Codec ist längst zum Standard geworden, wenn es um hochauflösende Inhalte geht – von 4K‑Streaming über Smartphone‑Kameras bis hin zu Smart‑TVs und Laptops.
Kurz gesagt: Wer heute ein Gerät verkauft, das moderne Videofunktionen bietet, kommt an H.265 kaum vorbei.
Genau hier setzt Nokia an. Der Konzern sieht seine Patente verletzt und fordert Lizenzgebühren. Da sich die betroffenen Hersteller nicht einigen konnten, landete der Fall vor Gericht – mit einem klaren Ergebnis zugunsten Nokias.
Warum das Urteil die gesamte Branche betrifft
H.265 ist nicht irgendein Feature, das man einfach deaktivieren kann. Der Codec ist tief in Hardware und Software verankert. Ein Gerät ohne HEVC-Unterstützung wäre heute kaum konkurrenzfähig – weder beim Streaming noch bei der Videoaufnahme.
Das Urteil setzt daher ein deutliches Signal:
Wer HEVC nutzt, muss zahlen – oder den deutschen Markt verlassen.
Und Nokia zeigt, dass man bereit ist, diese Linie konsequent durchzusetzen. Für andere Hersteller ist das ein Warnschuss. Weitere Klagen sind nicht ausgeschlossen.
Fazit: Ein Urteil mit Sprengkraft
Der erneute Sieg Nokias ist mehr als nur ein juristischer Erfolg – er ist ein Weckruf für die gesamte Elektronikindustrie. Die Abhängigkeit von patentgeschützten Standards wie H.265 wird nun schmerzhaft sichtbar. Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines: weniger Auswahl und höhere Preise.
Die Branche steht vor einer Richtungsentscheidung. Ob sie auf teure Lizenzen setzt oder den Übergang zu alternativen Codecs beschleunigt, wird die kommenden Jahre prägen.
Am Ende dieser juristischen Auseinandersetzungen bleibt ein bitterer Beigeschmack. Während Konzerne um Patente, Lizenzen und Marktanteile ringen, ist es einmal mehr der Konsument, der die Folgen spürt: weniger Auswahl, höhere Preise und eine technologische Unsicherheit, die sich quer durch den Markt zieht.
Die Branche mag sich neu sortieren – doch für die Käufer bedeutet das vor allem eines: Sie zahlen den Preis für einen Streit, den sie nie geführt haben.