Alphacool Eisbär LT360 HPU CPU AiO - Test it Keep it Review

Eine Review von Tobias Oestreich

Nachdem ich vor einigen Monaten einen Bericht darüber gesehen hatte, was passieren kann, wenn eine AIO aus Kupfer _und_ Aluminium besteht, schaute ich mich um. Welche AIO-Hersteller bieten es überhaupt an, dass sowohl Kühlkörper als auch Radiator aus Kupfer bestehen? Und “im großen Stil” macht das tatsächlich nur ein Hersteller: Alphacool macht das ausschließlich so – auch von einem Wasserkühlungs-Premiumhersteller hätte ich das so nicht erwartet! Und dabei ist das Preisgefüge bei Alphacool noch nicht mal “Premium” – ich nehme vorweg – nein, hier gibt es wirklich exzellente AIOs, die leistungsfähiger sind als bei vielen teureren Konkurrenten. Einige Wochen später sah ich die Alphacool “Testers Keepers”-Aktion von PCHMG und habe mich beworben. Hat geklappt!

Verpackung

Die AIO kommt schön geordnet in einer großzügigen, chicen Verpackung. Alles ist sicher in einem Formkarton sicher verwahrt. Warum man extra jeden Kleinkram nochmal eingetütet hat, verstehe ich nicht – aber ist halt so. Die Montagekits für die einzelnen Sockel sind beschriftet, so dass man keine für einen unnützen Sachen auspackt.

Verarbeitung

Die Verarbeitung ist grundsätzlich gut bis sehr gut. Leider war auf meinem Radiator ein doch deutlich sichtbarer “Ratscher” auf den Finnen. Ich gehe ganz stark davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelt. Glücklicherweise ist der Ratscher später unsichtbar, denn da kommen die Lüfter drüber. Wäre er auf der anderen Seite, wäre er auch nicht zu sehen, denn da wäre natürlich das Gehäuse.

Ansonsten ist alles Top! Der sonst oft bei Kupfer-Radiatoren zu beobachtende Flugrost war nicht zu sehen. Selbst wenn – im eingebauten Zustand sieht man auch das nicht. Einwandfreie mechanische Teile – z.B. auch keine oft bei anderen Anbietern zu findende, viel zu weiche “Billig-Schrauben” aus Fernost gab es hier nicht. Die mitgelieferten Schrauben machen einen wertigen und haltbaren Eindruck und sind in einer Menge mitgeliefert, die auch pingelige Käufer zufriedenstellt – für jedes Gewinde auch eine Schraube, falls man seinen Radiator mit zwölf Schrauben am Gehäuse befestigen will. Auch die Schlauchverbindung ist einwandfrei und macht einen soliden Eindruck. Da fällt auch bei Zugbelastung nichts ab. Knicken ist kaum möglich, da muss man sich schon doof anstellen.


Der Kühlblock ist zwar wohl aus Kupfer – zumindest der Teil, der mit Wasser in Kontakt kommt. Die eigentliche Kühlfläche für den Kontakt zur CPU ist aber anscheinend aus Aluminium. Oder ist das vernickeltes Kupfer? Ich weiß es tatsächlich nicht… Hauptsache wäre aber für ursprünglich erwähntes physikalisches Problem tatsächlich, dass das Wasser nicht mit Alu _und_ Kupfer in Berührung kommt.

Montage

Die Montage ist wie immer “so eine Sache”. Wie bei allen All-In-One-Wasserkühlungen wünscht man sich in manchen Situationen eine dritte Hand dazu. Aber da kann sich nur gut vorbereiten, wenn man das allein macht: Platz auf einem Tisch schaffen, Gehäuse flach hinlegen. Ein Mainboard-Ausbau ist unumgänglich – wie bei allen AIOs. Und ansonsten geht alles gut von der Hand. Irreparable Fehler kann man eigentlich nicht machen und das Konzept ist schnell verstanden. Mainboard raus, alter Kühler ab, Backplate vorbereiten, der Kühlerblock wird mittels einer zusammenschieb- und verriegelbaren Arretierung montagefertig gemacht. Grundsätzlich geht das alles sogar werkzeugfrei, wobei ich die vier Halteschrauben dann doch – trotz Hinweis, dass dies nicht nötig sei! – nochmal ganz leicht mit dem Schraubendreher angezogen habe. Dann das Mainboard einbauen, Kabel einstecken (weil sonst evtl. auch Anschlüsse schwerer zugänglich sind, wenn der Radiator zu früh eingebaut wird) und zum Schluss den Radiator befestigen. Ich habe in meinem Fall den 360mm-Radiator oben im Gehäuse eingesetzt.

Im Lieferumfang finden sich Mounting-Kits für quasi alle momentanen Sockel von AMD und Intel. Intels neuer Sockel 1700 wird ebenso unterstützt wie alle anderen der 10 Jahre zuvor, inklusive der HEDT-Sockel. Bei AMD geht alles ab AM4, also auch TR4, sTRX4, wTRX8 und sogar der Server-Sockel SP3. AM5 wird dank Kühler-Kompatibilität zu AM4 wohl auch funktionieren. Nur für die beiden aktuellen Intel Server-Sockel 3647 und 4189 passt die AIO nicht. Wobei ich aber sagen muss, dass der Kühlkörper für so manchen großen Sockel wie bei Threadripper zu klein sein könnte. Da wird evtl. nicht alles bedeckt.

Was mir in einem anderen Review zu der LT360 HPE negativ aufgefallen war und was ich zunächst fast nicht glauben konnte: es kann eventuell tatsächlich DIMM-Slot “A1” blockiert werden! Da beim “LT” Modell die Schläuche am Kühlblock seitlich herausschauen, blockieren diese den ersten DIMM. Das sind bei den allermeisten Boards wohl ein paar wenige Millimeter zu viel. Das Modell ohne “LT” hat seine Anschlüsse oben am Kühlblock – dafür aber halt kein schönes LED-Logo mit einem Eisbär.

Alternative: den Kühlblock gedreht aufsetzen – so habe ich es gemacht. Klar, dann schaut einen nicht mehr der Eisbär an, wenn man ein Standard-Gehäuse hat. Ist dann so, war mir aber egal. So zeigt der Kabelanschluss für Pumpe und A-RGB-LEDs in Richtung DIMMs, aber die kleinen Käbelchen kann man problemlos und sicher noch vor dem Slot A1 wegführen. Das ist also insgesamt etwas, das stört. Wenn einem Optik wichtig ist und man plant, alle 4 RAM-Bänke zu belegen, sollte man vielleicht nicht zur LT-Version greifen.

Auch zur Montage gehört für mich das Thema Lüfter und RGB. Hier ist auch gleich der zweite Kritikpunkt zu finden: die LEDs der Lüfter können zwar ganz normal per 5V A-RGB angesprochen werden, aber die Anschlüsse sind dummerweise proprietär. Zwar legt Alphacool gleich einen Adapter auf den normalen 3-poligen A-RGB Header bei, aber das erklärt nicht, warum man nicht gleich auf die Standard-Stecker und -Buchsen setzt. Sogar ein kleiner A-RGB-Controller wird mitgeliefert, den ich aber nicht getestet habe. Das ist natürlich interessant für Leute, die noch ein älteres System haben und sonst die AIO nicht leuchten lassen könnten. Die normale Lüfterfunktionalität wird über Standard-4-Pin-PWM-Kabel gelöst. In Reihe schalten lassen die sich mangels Kupplung von Haus aus nicht, aber der Hersteller packt ein 3er-Verteiler-Kabel mit in die Packung – das ist voll in Ordnung.

Für meinen Test habe ich erstmal keinen Wert auf das Kabelmanagement gelegt. Alle Kabel sind aber lang genug, um das ernsthaft betreiben zu können. Die Kabel an der Pumpe als auch jene an den Lüftern ließen sich wunderbar verstecken – wenn man denn wollte.

Testsystem
Mein System wird momentan von einer Arctic Liquid Freezer II 420 gekühlt – im Sandwich-Betrieb mit sechs (!) Stück Arctic P14 140mm. Ein harter Gegner für die “Eisbaer LT360 Aurora HPE”. Die Arctic war bisher in der Front meines Phanteks Enthoo 719 montiert – kein kleines Gehäuse, aber die stattliche 420mm AIO passt nicht ins Top vom Enthoo. Ich will hier keinen 1:1 Vergleich veranstalten, sondern das Beste aus den mir gegebenen Möglichkeiten machen. Also kommt die Alphacool ins Top und in der Front des Phanteks Gehäuses verbleiben drei Stück Arctic P14. Unten im Gehäuse zieht ein weiterer Arctic 140mm Lüfter Frischluft ins Gehäuse. Insgesamt wird somit mehr Luft eingesogen als Luft ausgeblasen – ein Überdruck entsteht. Ziemlich gute Voraussetzungen für die Alphacool AIO.

Die AIO soll einen Intel Core i7 11700K kühlen. Der sitzt auf einem Asus ROG Strix Z590-E und wird im Rahmen des Tests auch übertaktet, um ein bisschen auszuloten, wo die Grenzen dieser AIO liegen. Eine dedizierte Grafikkarte gibt es momentan nicht, es wird die iGPU der CPU verwendet. Zwei 32GB DIMMs von Patriot stecken ebenso auf dem Brett wie eine Kingston A2000 NVMe SSD. Die ebenfalls verbaute Asus Thunderbolt-AIC und die Nvidia Tesla sind dauerhaft im Idle und kommen zusammen auf rund 20 Watt Verlustleistung – beeinflussen den Test also quasi gar nicht.

 

Temperaturen und Drehzahlen

Ich führe alle Tests in meinem Keller bei rund 17°C Raumtemperatur durch. Das Gehäuse ist geschlossen – auf den Fotos ist die Seitenscheibe nur auf, weil diese sonst stark gespiegelt hätte. Auch die Rückseite ist nur auf den Fotos demontiert. Die Temperaturen lese ich mit HWiNFO 7.24 aus. Zunächst lassen wir beide AIOs auf 100% Pumpe und auch 100% Lüftergeschwindigkeit laufen. Das ist realitätsfremd, aber ein guter Vergleich.

Zunächst einmal: keine Überraschung im Idle-Betrieb: die Alphacool Eisbaer kommt auf 26°C – genau wie die Arctic ALF2 420.

Dann: Test mit Prime95, Small FFTs – also so mit das Härteste, was man einer Intel-CPU antuen kann. Zunächst noch unübertaktet. Das bedeutet 56 Sekunden lang rund 220 Watt, dann ist die TAU um und es werden rund 125 Watt Verlustleistung. Wir kommen auf ein sehr gutes Ergebnis von maximal 63°C. Nach Ablauf der TAU sogar nur 45°C! Meine gesandwichte 420er Arctic AIO ist hier nur jeweils 3-4°C besser!

Nun übertakten wir den Core i7 auf feste 5,0 GHz und alle Bremsen ab, die es so gibt. Das ist ungesund für meine CPU, aber mir völlig egal. So kommen wir laut HWiNFO in der Spitze auf bis zu 1,658V Kernspannung. Prime95 mit Small FFTs lässt die CPU dann immerhin satte 260 Watt saufen. 260 Watt Verlustleistung ist schon mal nicht ohne. Meine Arctic Liquid Freezer II 420 lässt den 11700K auf bis zu 76°C kommen. Die HPE-Edition der Eisbaer schafft sehr gute 80°C! Gegen ein Monster mit sechs 140mm Lüftern! Das ist meiner Meinung nach wahnsinnig gut!

Aber: 100% Drehzahl sind laut, egal ob Arctic P14 oder die Lüfter von Alphacool. Die drehen immerhin dann mit 2500 UPM, was wohl auch einer der ausschlaggebenden Punkte für die Bezeichnung “HPE – High Performance Edition” ist! Wir nehmen hier eine deutliche geringere Drehzahl und finden ~1100 UPM sehr ruhig und angenehm. Die Pumpe selber läuft dauerhaft auf ~2600 UPM, ist aber flüsterleise. Da kann man nichts gegen sagen.

Das tolle: selbst mit den ~1100 Umdrehungen werden die Temperaturen nur um rund 5-7°C schlechter! Das ist schon wirklich ein tolles Ergebnis für diese AIO. Das habe ich so nicht erwartet. Und das ganze in “leise”! Insgesamt gesehen sind die Geräusche, die die Alphacool produziert, nicht nervend. Der Betrieb mit 40% bis maximal 60% Lüfterdrehzahl ist für die allermeisten Prozessoren völlig ausreichend und dabei leise.

Beleuchtung

Manche wissen es: ich bin kein sonderlich großer RGB-Fanatiker. Das ganze funktioniert jedoch problemlos, wenn man die eingangs bemerkten Voraussetzungen beachtet. Ich habe die proprietären A-RGB-Anschlüsse per mitgeliefertem Adapter auf “normales” A-RGB adaptiert und konnte diese dann problemlos ans Z590-E klemmen. Verschiedene Farbprofile waren mit OpenRGB und auch “Armoury Crate” problemlos möglich. Das blau-grüne Wechselspiel gefiel mir dabei auf Anhieb. Die Lüfter haben an der Seite eine Art “Schlitz” durch die ebenfalls das RGB-Licht dringt. Sehr angenehm.

Fazit

Wer eine noch bezahlbare, hübsche und vor allem sehr leistungsfähige AIO sucht, wird sie bei Alphacool finden. Nie hätte ich gedacht, dass das Teil so nah an meine große Arctic kommt. Die Montage ist wie bei allen anderen AIOs am Markt, wobei vielleicht sogar noch etwas einfacher. RGB funktioniert problemlos und sieht gut aus. Die Nachteile sind klein und eher optischer Natur. Verwirrung besteht noch um die Garantie, die Alphacool bietet. Im Augenblick denke ich, dass Alphacool gar keine Herstellergarantie bietet, sondern nur die gesetzliche Gewährleistung über den Händler.

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